Projekte 1. Quartal 2016

 

Die Kunst des Mittelalters

Termin: 29. Januar 2016, 19.00 Uhr, Westpreußisches Landesmuseum
Referent: Georgios Paroglou B.A.
Im Rahmen der Ausstellung Backsteinarchitektur im Ostseeraum im WLM

Mittelalterliche Kunstwerke gehören mit zu den faszinierendsten Zeugnissen europäischer Vergangenheit. Unsere Vorstellung von dieser spannenden Epoche zwischen Antike und Neuzeit ist unlösbar mit majestätischen Domen, goldgrundigen Altartafeln oder bunten Glasfenstern verbunden. In den Museen der Welt oder vor Ort bewundern wir Schöpfungen mittelalterlicher Künstler, die uns – von ihrer Schönheit ganz abgesehen – allein schon wegen ihres ehrwürdigen Alters in den Bann ziehen. Unvorstellbar, welche hochgestellten Persönlichkeiten im Laufe der Jahrhunderte etwa die Pfalzkapelle Kaiser Karls des Großen durchschritten haben mögen oder sich des Besitzes eines bestimmten Reliquienkästchens glücklich schätzen durften.

Es verschlägt uns den Atem angesichts des unermesslich kostbaren Materials, aus dem Kelche und Monstranzen gefertigt wurden, und so mancher Museumsbesucher mag sich, vor einer Vitrine mit liturgischen Gerät stehend, insgeheim fragen, was ein solches Objekt heute kosten würde. Doch es ist nicht nur der Wert, der uns in Erstaunen versetzt. Wir bewundern die farbige Leuchtkraft illuminierter Pergamenthandschriften oder würdevoller Heiligendarstellungen vor schimmerndem Goldgrund und die fantastischen, bisweilen bizarren Formerfindungen etwa der romanischen Erzgießer oder der gotischen Baukünstler. Wir fragen uns, wie es sein kann, dass Menschen vor rund 800 Jahren in der Lage waren, mit den einfachsten Mitteln, ganz ohne statische Berechnungen, so filigrane architektonische Kunstwerke zu errichten, wie sie die Kathedralen darstellen. Eine unglaubliche technische und logistische Meisterleistung.

Wer waren diese Könner, die mit den einfachsten Mitteln Figuren und Ornamente aus hunderten von kleinen, farbigen Glasstücken zu gigantischen Glasgemälden zusammenlegten, die als Fensterverglasungen die Kircheninnenräume schmückten und vor Wind und Wetter schützten? Was wissen wir über die Künstler des Mittelalters? Anhand dieses Vortrags wird der Kunsthistoriker Georgios Paroglou die wichtigsten Werke der mittelalterlichen Kunst präsentieren. Dabei dürfen selbstverständlich auch die herausragenden Beispiele aus Westpreußen nicht fehlen, wie die beeindruckende Marienburg mit ihren imposanten Ausmaßen, das historische Zentrum Thorns, die Marienkirche in Danzig sowie viele weitere Kunstdenkmäler.


Ostpreußen. Eine Reise von Danzig über Masuren
und Königsberg zur Kurischen Nehrung

Termin: 5. Februar 2016, 19.00 Uhr, Westpreußisches Landesmuseum
Referenten: Roland Marske

Ostpreußen, das "Land der dunklen Wälder und kristallenen Seen". Ein Land, versunken in der Geschichte und dennoch für viele unvergessen. Über ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat der Fotograf und Journalist Roland Marske die einst östlichste Provinz Deutschland erneut besucht - von Danzig über das Ermland und Masuren bis nach Königsberg und zur Kurischen Nehrung. Dabei hat er Zerstörtes und Versunkenes wiedergefunden, aber auch mühsam Bewahrtes und liebevoll Restauriertes festgehalten. Er sprach mit den Menschen, die er unterwegs traf, und hat sich faszinieren lassen von der Landschaft Ostpreußens, die noch immer so schön ist, wie sie in unzähligen Gedichten beschrieben wird.

Die einmalige Dia-Show ist somit eine hoch aktuelle und besonders einfühlsame Begegnung mit Ostpreußen, die Erinnerungen lebendig werden lässt und dabei die Sehnsucht weckt, auch die Gegenwart des Landes kennen zu lernen.


Arthur Schopenhauer – ein Danziger Denker gegen den Strom

Termin: 12. Februar 2016, 19.00 Uhr, Westpreußisches Landesmuseum
Referent: Prof. Dr. Gottfried Gabriel (Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Der Philosoph Arthur Schopenhauer ist einer der berühmtesten Söhne Danzigs. Obwohl er nur die frühe Kindheit in seiner Geburtsstadt verbrachte, wurde er doch durch den weltoffenen Geist geprägt, den ihm sein Vater, ein republikanisch gesonnener patrizischer Großhandelskaufmann, vermittelte. Bei Schopenhauer schlug sich dieser Einfluss in einer freigeistig-antiklerikalen, politisch aber gleichwohl konservativen Auffassung nieder. Aufgrund seiner politischen Einstellung – er war ein Gegner der liberalen Revolution von 1848 – wird er teilweise bis heute als Reaktionär verurteilt. Dabei hat man aber zu wenig berücksichtigt, worauf sich diese Einstellung stützt. Schopenhauers Konservativismus ist das Ergebnis eines tiefen Pessimismus. Auch wenn man diesem gewiss nicht in allen Punkten folgen mag, liefert Schopenhauers Analyse des menschlichen Daseins doch eine bedenkenswerte Warnung vor einem zu optimistischen Fortschrittsglauben, sei es kapitalistischer, sei es sozialistischer Prägung.

Im Ausgang von einer Darstellung wesentlicher Grundgedanken der Philosophie Schopenhauers, beginnend mit der Erkenntnistheorie, wird der Vortrag Ergebnisse seiner Anthropologie und Ethik in den Blick rücken, die einen daran zweifeln lassen, dass die gegenwärtige Konsumgesellschaft eine Form gelingenden Lebens sein kann. Der Psychoanalytiker Erich Fromm spricht hier von einem „Habenmodus der Existenz“. Zu dessen Folgen liefert Schopenhauers Analyse der existentiellen „Langeweile“ tiefgründige Einsichten. Ein solches Lebensgefühl beschleicht nach Schopenhauer die Mitglieder einer Überflussgesellschaft, in welcher der „Wille zum Leben“ keinen Anreiz mehr findet, weil die Befriedigung aller Bedürfnisse selbstverständlich geworden ist. Schopenhauers Diagnosen gewinnen hier für eine Kritik der Gegenwart besondere Aktualität.

Prof. Dr. Gottfried Gabriel (geboren am 4. Oktober 1943 in Kulm / Chelmno) ist ein deutscher Philosoph. Gabriel studierte Philosophie, Germanistik und Allgemeine Sprachwissenschaft an den Universitäten Münster und Konstanz, wo er 1972 promoviert wurde. Von 1967 bis 1992 lehrte er an der Universität Konstanz, ab 1982 als außerplanmäßiger Professor. 1986–1988 war er Gastprofessor an der Universität Campinas in Brasilien. 1992–1995 bekleidete er eine Professur an der Ruhr-Universität Bochum. Von 1995 bis 2009 war er Professor für Philosophie und hatte den Lehrstuhl für Logik und Wissenschaftstheorie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena inne. Seit April 2009 ist er emeritiert. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Sprachphilosophie und Ästhetik. Sein Hauptinteresse gilt der literarischen Form. Er ist nach Joachim Ritter und Karlfried Gründer Hauptherausgeber des Historischen Wörterbuchs der Philosophie.

 

Wissenschaftliche Untersuchungen und Präsentation der Münzsammlung des
Westpreußischen Landesmuseum in Warendorf und in Westpreußen

Termin: 14. Februar 2016 bis 28. Februar 2016
Projektleiter: Magdalena Oxfort, M.A.
Dr. Dipl Ing Tomasz Olkowski, Kunsthistoriker und Experte für Numismatik und Waffenkunde am Museum der Stadt Danzig

In Danzig zur Zeit der damaligen Republik Polen prägte man jahrhundertelang in der wichtigsten Einrichtung der Münzprägung wertvolle Unikate. In der Danziger Münzprägestätte wurden viele verschiedene Umlaufmünzen u. a. Donativmünzen sowie erstklassige Medaillen gefertigt. Dort beschäftigte man herausragende Medaillenhersteller, die nach Danzig aus Westeuropa übersiedelten. Darunter müssen Samuel Ammon, Sebastian Dadler sowie Jan Höhn (Vater und Sohn) erwähnt werden. Dank ihnen entstanden wunderschöne Werke der Medaillenkunst, die nicht nur in Polen, sondern auch europaweit geschätzt wurden. Die Donativmünzen und die Danziger Medaillen tauchten in vielen Münzsammlungen auf. Es handelt sich hierbei sowohl um private als auch museale Sammlungen. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich in Danzig eine große Münzsammlung, die bis heute nicht erhalten blieb. Gegenwärtig versucht das Historische Museum der Stadt Danzig (MHMG) die damalige Pracht der Sammlung der Danziger Münzen wieder herzustellen. Es wurde hierzu ein Münzkabinett dort errichtet.

Nun es ist jedoch ein sehr schwieriges und kostspieliges Unterfangen. Die Danziger Münzen sind als Geldanlagen außergewöhnlich begehrt, nur von kurzer Dauer auf dem numismatischen Markt und werden zu exorbitanten Geldsummen erstanden.

Nach aktuellem Stand (Dezember 2015) befindet sich eine Gesamtanzahl von 5340 Objekten im Münzkabinett, davon sind 2500 Münzen vorhanden und nur 500 davon stammten aus der Danziger Münzprägestätte.

Aus diesem Grund möchte Dr. Ing Tomasz Olkowski erreichbare Sammlungen aufsuchen und möglichst umfangreiche Recherchearbeiten durchführen, um die 2017 während der numismatischen Konferenz in Danzig große und prachtvolle gemeinsame Ausstellung in Herzen Danzigs zu präsentieren. Nach der Ausstellung im WLM in Danzig sollen auch weitere Museen in Westpreußen unsere Sammlung zeigen. Geplante Standorte für die Ausstellung sind bereits das Historische Museum der Stadt Danzig, das Schlossmuseum in Marienburg, das Historisch-Archäologische Museum in Elbing sowie der Numismatische Verein in Thorn. Der krönende Abschluss der Ausstellung soll die Veröffentlichung des Sammlungskatalogs in deutscher und polnischer Sprache bilden. Der Katalog soll neben den Münzen, die aus der Sammlung des Westpreußischen Landesmuseums stammten auch die Beschreibung der Geldsysteme in Danzig sowie die Geschichte der Danziger Münzprägung beinhalten.

 

Ruhestätten im Posener Raum – wissenschaftliche Tagung in Posen

Termin: 25. Februar bis 27. Februar 2016
Adam-Mickiewicz-Universität Posen / Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu

Unabhängig von Religionen sind Friedhöfe wichtige Erinnerungsorte an geliebte Menschen. Sie sind nicht nur künstlerisch individuell gestaltet, sondern haben auch eine gesellschaftliche Relevanz, weil sie einen Ort bilden, an dem die Würde jedes einzelnen Menschen, über seinen Tod hinaus festgehalten wird. Auch der Umgang mit den Gräbern zeugt von überkonfessionellen Kompetenzen und ist häufig Ausdruck für eine starke Moral jeweiliger Gruppen und Gesellschaften, unabhängig von der eigenen Religion. Außerdem spielen Friedhöfe auch politische Rollen, wie im Posener Raum und in der Provinz Ostbrandenburg nach dem zweiten Weltkrieg. Vor 1945 lebten viele deutsche Protestanten im Posener Raum und in der Provinz Ostbrandenburg. Deren Gemeinden besaßen viele Kirchen und dazugehörige Friedhöfe. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Flucht und Vertreibung der Deutschen in den von der polnischen Regierung als „wiedergewonnen Gebiete“ deklarierten Territorien, führte die neue polnische Verwaltung die sogenannte „Entdeutschungspolitik“ durch. Es bedeutete neben der Aussiedlung der deutschen Bevölkerung auch die Beseitigung aller Elemente, die an Deutsche erinnern könnten. Das gesamte fast hundert Jahre alte, deutsche Kulturerbe sollte zerstört werden, dabei auch die evangelischen Kirchen und Friedhöfe, die mit dem Deutschtum in Zusammenhang standen. Die Kirchengebäude wurden vernichtet und das Kircheninventar wurde für nicht religiöse Zwecke verwendet oder verschenkt.

Im Laufe der Zeit verlor die evangelische Kirchengemeinde viele Mitglieder, es existierten nur noch einige Kapellen der polnischen Protestanten, deutschsprachige Messen wurden verboten. So sind die evangelischen Landschaften im Posener Land, als direkte Kriegsfolge fast völlig verschwunden und auch viele Friedhöfe mussten der Urbanisierung von Städten weichen. Bis es einige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, mit Hilfe der „Gemeinschaft Evangelischer Posener“, zu einer Zusammenfindung der Landsmannschaft Weichsel-Warthe kam. Diese Gruppe tritt für eine Reaktivierung der damaligen evangelischen Gemeinden ein und betreibt Informationspolitik über das Geschehene durch das Herausgeben von Zeitschriften, Veröffentlichungen von Bildern und Erinnerungen sowie Führungen durch die örtlichen Kirchen.

In den 1990er Jahren durften die deutschen Vertriebenen und deren Nachfahren erstmals ihre Heimatorte und die Gräber der Familienangehörigen besuchen. Sie entdeckten, wenn noch vorhanden, die meist verwahrlosten, teilweise schwer zerstörten Gräber und somit musste sich der polnische Staat mit der unangenehmen Wahrheit der „Entdeutschungspolitik“ auseinandersetzen. Dadurch entstand der Prozess der Wiederentdeckung des deutschen Kulturerbes, welcher nur langsam voranschreitet, insbesondere bei den Friedhöfen. Es fehlen fast alle Aufzeichnungen der ehemaligen Kirchen, wie Kirchenbücher und andere Listen. Teilweise existieren noch spezielle Karten, auf denen einige Standorte der ehemaligen Kirchen, Kapellen und Friedhöfe markiert wurden. Lediglich 200 Objekte wurden dokumentiert, von denen es nur sehr wenige Bilder gibt.

Damit das Kulturerbe der deutschen Protestanten, im Posener Raum und der Provinz Ostbrandenburg nicht an Präsenz verliert, beschäftigt sich dieses Forschungsprojekt mit den verschwundenen Landschaften der deutschen Protestanten im Posener Land. Das Projekt ist in zwei Phasen aufgeteilt. Die erste Phase beschäftigt sich mit den materiellen Substanzen der evangelischen Kirchen. Dabei soll eine Liste mit Bildern, der noch existierenden Objekten, erstellt werden. Diese Liste wird in der zweiten Phase mit Nachkriegsgeschichten und den Schicksalen der Geistlichen und Gläubigen nach 1945 ergänzt. Das Ziel ist, die Situation der evangelischen Kirche nach 1945 zu untersuchen und die Wege der Verdrängung, aber auch die Möglichkeiten der Rettung des Kulturerbes zu analysieren. Mit diesem Wissen als Basis, sollen die Fragen des heutigen Umgangs mit den deutschen Überresten der evangelischen Kirche in Polen geklärt und die bisher kaum untersuchte Frage, ob Friedhöfe, Kirchen und die Geschichte der deutschen Protestanten im Posener Raum einen festen Platz im kulturellen Gedächtnis einnehmen, beantwortet werden.

Zu diesem Projekt wird vom 25. bis 27. Februar eine internationale, wissenschaftliche Tagung an der Adam-Mickiewicz-Universität Posen / Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu mit Vorträgen und Präsentationen stattfinden, an der Wissenschaftler und Geistliche aus dem Posener Raum und zum Teil Mitglieder der Landsmannschaft Weichsel-Warthe teilnehmen werden. Zusätzlich werden renommierte Wissenschaftler aus Deutschland und Polen aufeinander treffen. Dieses umfangreiche Forschungsprojekt findet in enger Zusammenarbeit mit dem habilitierenden Professor Jerzy Kolacki aus Posen statt.


Danziger Kunst des 19. Jahrhunderts

Termin: 16-18. März 2016

Die Stadt Danzig gilt nicht nur als „Königin“ oder sogar als „Perle der Ostsee“, vielmehr ist sie auch als „Schatzkammer Westpreußens“ anzusehen. Der Handel verhalf im Mittelalter und der Frühen Neuzeit den Patriziern der Stadt zu Wohlstand, der sie in die Lage versetzte, prunkvolle Kirchen und Bürgerhäuser zu errichten, welche noch heute vom Reichtum Danzigs zeugen.

Auch die Danziger Kunst des 19. Jahrhunderts repräsentiert noch immer die Blüte der Stadt. Für die Kunst des 19. Jahrhunderts ist das Erstarken des bürgerlichen Einflusses prägend. Entsprechend ändern sich auch die Sujets: es werden nicht nur mehr ausschließlich Bilder für den kirchlichen oder weltlichen Auftraggeber produziert, sondern auch Menschen aus dem Volk und Bürgertum gezeigt. Zudem wurden aktuelle Strömungen aus Europa wie der Biedermeier und die Romantik in die Danziger Kunst aufgenommen und fanden Ausdruck in den vielen Gemälden und Objekten dieser Zeit. Die Betonung des Poetischen und Vorliebe für die nationale Vergangenheit, sowie das Hervorheben der Farbe für die Maltechnik ist für diese Strömung charakteristisch.

Zu den bekanntesten Künstlern Westpreußens zählen unter anderem Friedrich Eduard Meyerheim, Albert W. A. Juchanowitz und Carl Gustav Rodde, die sich als Schüler der Danziger Provinzialkunstschule mit der Landschafts- und Architekturmalerei beschäftigten. Insbesondere die auf die Berliner Akademie der Künste zurückgehende realistische Architekturmalerei fand bis in die 1830er Jahre hinein großen Eingang in die Danziger Kunstproduktion. Angeregt durch die „plein air-Malerei“ in Frankreich, bei der die Künstler ihre Gemälde nicht mehr im Atelier, sondern in der freien Natur schufen, entstanden auch in Danzig impressionistisch anmutende Landschaftsansichten dieser Region seit dem späten 19. Jahrhundert. Geschaffen wurden sie zumeist von Künstlern, die Westpreußen auf ihren Studienreisen besuchten, wie beispielsweise Otto Hamel, Hanna Mehls oder Erich Kips. Die Ansichten vermitteln einen Eindruck von der Vielfältigkeit dieser Kulturlandschaft und zeigen sowohl den unterschiedlichen Blick der Künstler auf diese Region als auch die Variationsbreite ihrer Ausdrucksformen.

Für das Jahr 2017 ist eine gemeinsame Ausstellung mit dem Nationalmuseum der Stadt Danzig geplant, welches zu Gast in Warendorf sein wird. Auch das Kulturreferat wird 2017 in Danzig mehrere wissenschaftliche Projekte gemeinsam mit dem Nationalmuseum der Stadt Danzig in Danzig realisieren. In Kooperation und gemeinsamer Planung mit dem Direktor des Museums, dem Kulturreferat und dem Westpreußischen Landesmuseum werden hierfür Gemälde, Skulpturen, Goldschmiedearbeiten und weitere Objekte aus beiden Sammlungen in einem neuen Kontext präsentiert. Die entscheidenden gemeinsamen Vorbereitungen und weitere wissenschaftliche Untersuchungen werden im Februar 2016 in Warendorf stattfinden.


Evangelische Kirchen in Marienburg

Termin: März bis September 2016

Das Ziel dieses Projekts ist die Erinnerung und die Vermittlung an die differenzierte Geschichte von Marienburg. Dabei wird vor allem der Aspekt der protestantischen Religion betrachtet. Im Jahr 1945 wurde die Tätigkeit von vielen Kirchen in Marienburg beendet. Heute wissen nur die Wenigen, dass vor dem Krieg der evangelische Glaube eine Konfession mit sehr vielen Anhängern war.

Die Lehre von Martin Luther fand sehr schnell zahlreiche Anhänger in Marienburg und immer mehr Einwohner der Stadt an der Nogat konvertierten zum Protestantismus. Hier half nicht mal die entschiedene Haltung von König Sigismund I., der 1523 in einem Brief an den Stadtrat im Falle der Konvertierung zu protestantischer Religion mit strengen Strafen drohte. Die Stadträte aus Marienburg handelten 1526 nach dem Patronatsrecht und übergaben den Protestanten die Kapelle des heiligen Georg, die im südlichen Vorort lag. Dieses kleine Gotteshaus, das aus dem 14. Jahrhundert stammte, bildete einen Teil des Komplexes des Krankenhausgebäudes, welches dem ehemaligen Deutschen Orden gehörte. Die Leitung hierfür übernahm der Oberspittler. Die Kapelle des heiligen Georg wurde jedoch mehrfach zerstört. Die größte Zerstörung fand 1410 nach der Schlacht bei Tannenberg statt und während des Dreizehnjährigen Kriegs 1460. Im Jahr 1471 übergab König Kasimir das Patronat über das ruinöse Gotteshaus an den Stadtrat von Marienburg. Die Bedingung für die Übergabe war der Wiederaufbau. Der erste protestantische Prediger in Marienburg wurde 1520 der Danziger Jakub Knade.

1772 erlaubten die preußischen Machthaber die Tätigkeit von nur zwei Kirchen in Marienburg: der Evangelischen des heiligen Georgs und der katholischen des heiligen Apostels Johannes. Andere Konfessionen wie die Calvinisten und Mennoniten durften ihre Religion nicht öffentlich praktizieren. Bis ins Jahr 1798 gab es jedoch einen evangelischen Pfarrer, der vom Stadtrat für die polnischsprachige Bevölkerung eingestellt wurde. Anschließend wurde in Folge der voranschreitenden Germanisierung das Amt des polnischen Predigers aufgelöst. Nachdem man den Katholiken die Kirche des heiligen Johannes wegnahm, wurde deutlich, dass die preußischen Machthaber ausschließlich die deutschsprachige evangelische Religion sehen wollten. Die Entscheidungen, die nach der Niederlage der Preußen 1808 getroffen wurden, betrafen die Religionsverhältnisse im Staat. Sie blieben ohne wesentliche Veränderungen bis zum 20. Jahrhundert erhalten. Die neuen Machthaber in Marienburg hoben 1808 eine Reihe von Glaubensbeschränkungen und die privilegierte Stellung der Protestanten auf. In der Stadt zeigte man sich tolerant gegenüber von Baptisten, Mennoniten und Juden, sodass sich in der Kirche des heiligen Johannes die katholische Bevölkerung versammelte und die evangelischen Stadtbewohner traditionell in der Kirche des heiligen Georgs zusammenfanden. Dieser Zustand blieb bis 1945 erhalten.

Im Rahmen dieses Projekts wird eine bilinguale Ausstellung konzipiert, die die Geschichte der evangelischen Kirchen vom Mittelalter bis 1945 zeigt und das Alltagsleben, die Geschichte der evangelischen und baptistischen Gotteshäuser darstellt sowie die Entwicklung der St. Chrischona, der Mennoniten, der Heilsarmee und der Adventisten beleuchtet. Diese Informationstafeln mit der Darstellung der Geschichte der evangelischen Kirchen sollen in Marienburg auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs aufgestellt werden.

Ein gemeinsames Projekt des Kulturreferates mit der Stadt Marienburg, dem Kulturamt der Stadt Marienburg und dem Westpreußischen Landesmuseum.

 

 

 

Beauftragter fuer Kultur und Medien